Wir hören vom Friedhof zu wenig Gutes

In nahezu jedem Gespräch mit trauernden Angehörigen höre ich von ihren Erwartungen. Gegenüber der Bestattung, dem Friedhof, dem Priester, der Kirche, dem Altersheim oder auch dem Redner – um nur ein paar zu nennen. Manche können ihr „Wissen“ auf Erlebnisse zurückführen. Diese sind mitunter schockierend und man versteht sofort, dass die Familie tunlichst vermeiden möchte, so etwas noch einmal erleben zu müssen. Bei Vielen beruht die Erwartung und die damit oft verbundene Angst aber auf Hörensagen.

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Diejenigen aber, die „erlebt haben“, wissen oft eines nicht: was tatsächlich zu diesem nun emotional nachwirkenden Fiasko beigetragen hat; wer also schuld ist.


Das war so! Warum ist das passiert?


Woher haben wir unser Wissen rund um die Themen, um die wir uns im Todesfall zu kümmern haben?


Was berichten unsere Medien von Begräbnissen?


Was suchst du, wenn du eine Zeitung aufschlägst? Information? Unterhaltung? Bildung? Oder vielleicht diesen kleinen grusel-Kick aus den Schauergeschichten (die sich so positiv auf die Leserzahlen auswirken)? Ein jeder weiß, dass Aufreger-Themen einfach ziehen. Und keines zieht so stark, wie der Tod.

Wie schon die Ärzte gesungen haben: „Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild!“ Glaube daher bitte nicht, dass die uns öffentlich zur Verfügung stehenden Informationen rund um das Thema Tod uns wirklich die dienlichsten sind.

 


Was bekommen wir von den Menschen unseres Vertrauenskreises gesagt?


"Es war furchtbar. Das war einfach nur traurig. Ich war so entsetzt von..."


  • Hilft uns unser Wissen über Begräbnisse?

  • Wissen wir, womit wir uns / den Angehörigen in dieser Zeit wirklich helfen können?

Wer nimmt uns zur Seite und sagt uns: „das wird dir dann gut tun! Merk dir,…! Das wirst du dann brauchen!“ Unsere Eltern, unsere Familie, unsere Freunde? Haben sie es bei dir getan?

Und welche Grusel-Geschichten hast du schon von Begräbnissen gehört?


Gerade bei der Bestattersuche höre ich immer wieder, wie Kunden bemerken: „ich wurde eigentlich gar nicht informiert, das war mehr wie ein Verkaufsgespräch“ lies hierzu mehr.

In Wirklichkeit sind wir über „die hilfreichen Dinge“ komplett uninformiert, wenn es um das Thema Tod geht. Forensisch sind wir Top dank CSI wenn wir von Mord und Todschlag in unseren Medien hören und dank unserer Selbst-Diagnose mit Dr.Google haben unsere Hausärzte weniger zu tun. Wenn aber die Oma stirbt, ist die Sorge um den Begräbnistag, die uns von den Medien kolportiert wird; „hoffentlich bestatten sie eh die Richtige im richtigen Grab“, „hoffentlich fällt ihnen der Sarg nicht aus dem Bestattungswagen“ und „schau mal, wie lustig die Sargträger in Afrika auf Youtube tanzen!“.

Wir erwarten etwas komplett Falsches und beschäftigen uns mit den Nebensächlichkeiten!

(oder werden damit beschäftigt, weil man diese besser verkaufen kann)


Wenn du mehr Zeit für die Auswahl des Sarges oder der Urne gebraucht hast, als für die Inhalte der Abschieds-, Trauer- oder Lebensfeier, kann ich dir jetzt schon garantieren, dass das Objekt dir weniger lange in Erinnerung bleiben wird, als das, was dort am Friedhof in der einen Stunde alles passiert ist.

 


Wann spricht man in Österreich öffentlich über den Tod?


Alle Jahre wieder pünktlich zu Allerheiligen ist das Thema Tod in den heimischen Medien wieder „ein Fressen“. Vor allem auch weil genau zu dieser Jahreszeit eine ganze Branche bereit ist Werbetöpfe zu öffnen, die sonst streng unter Verschluß bleiben. Auf einmal ist salonfähig, worüber Herr und Frau Österreicher das ganze Jahr nicht sprechen, lesen oder informiert werden wollen und worum es außer in Krimis und Actionfilmen niemals gehen soll: Um den eigenen Tod und den deiner Liebsten.


Und während Angehörige die Gräber zu den Gedenktagen schmücken und mancherorts beinahe ein Wettbewerb an Dekorgegenständen wie Herzen, Kerzen, Engerl und Gestecken entsteht, sind die heimischen Medien bemüht, das Thema Leser- und Zuseherzahlen-wirksam in Szene zu setzen.

Neben den Horror-Stories gibt es dann noch „die gute Prise an Unterhaltung“; Das Skurrile vom Friedhof wird ausgepackt: in Büchern, die pünktlich um Allerheiligen herum in den Auslagen stehen und in Talkshows in denen Hoppalas und Affronts von Begräbnissen zitiert werden.

Aber niemand spricht darüber, wie die Angehörigen diese Dinge erinnern! Sie sind diejenigen, die uns diese Horror-Szenarien berichten. Aber ihr Schrecken wirkt für uns wie ein Jux.


Ein Externer kann leicht darüber lachen; für ihn/sie ist es emotional abstrakt und eben skurril. Es betrifft nicht!


  1. Denen, die erlebt haben, sind diese Situationen nach Jahren auch noch peinlich.

  2. Sie werden nie wieder dieses „Produkt kaufen“ oder bei dieser Bestattung buchen.

  3. Sie sind in ihrer Trauer unwiederbringlich geschädigt.

  4. Ihre Einstellung gegenüber Begräbnissen (deren Organisation) ist mit unter „für‘s Leben“ ruiniert.

Ich lerne immer wieder solche „Kunden“ kennen. Es ist jedoch erstaunlich, wie leicht man sie mit der Aussicht auf ein „besseres Erlebnis“ wieder „zurückholen“ kann. Das Zauberwort ist ERWARTUNGSHALTUNG.

 

Tipp:

Wenn du nicht willst, dass ein Begräbnis rein aus Zufall „ein schönes“ wird (lies dazu hier mehr vom russischen Roulette bei Begräbnissen).

Nicht, weil deine Begräbnisgäste dich dafür mit den üblichen Worten: „das war aber ein schönes Begräbnis vom/von der…“ nachher loben sollen –


sondern, weil du es als „schön“ erlebt hast und weiter in deinem Leben so erinnern können möchtest (!) - Dann mußt du selbst etwas Schönes (mit..., wegen..., durch... und weil…) daraus machen!

ENTSCHEIDE DU!

Wenn du also bemerkst; DAS hilft dir – dann erzähle davon deinen Freunden und Verwandten, denn vielleicht werden sie auch ganz unerwartet genau die Hilfe benötigen, von der du jetzt schon weißt, dass es dir gut getan hat/gut tun wird in dieser Lebenssituation.


"Wenn wir zu wenig von GUTEM hören – haben wir zu wenig dafür gesorgt, dass es uns am Friedhof widerfährt. Wir haben zu wenig selbst – und uns zu viel auf Verkäufer, unsere falsche Angst und die breite Meinung verlassen."

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