Was kostet ein Begräbnis wirklich?

„A Begräbnis kost a Lawine”

Es ist eigentlich erschreckend, dass eine unserer ersten Assoziationen mit Begräbnissen – der Preis – ist.

Wir denken nicht daran „das kann gut tun“, „da wird es mir leichter“ oder „das möchte ich nicht vergessen“.

Viele denken: “ich will das einfach schnell hinter mich bringen – danach wird’s wieder gut“.


Es ist selbstverständlich, dass, wenn wir so denken, es uns der Preis (egal welcher!) nicht wert ist. Warum für etwas Geld ausgeben, das möglichst schnell wieder aus unserem Leben fort sein soll?

Wenn also irgendjemand dafür verantwortlich ist, dass uns Begräbnispreise zu hoch vorkommen, dann wir als Konsumenten selbst! Wenn wir nicht verstehen wofür wir Geld ausgeben.

copyright-fotoshooting-wien.at


Ein Begräbnis kann durchwegs günstig sein, wenn man nur für das Wesentliche (also das rechtlich notwendige) Geld ausgibt. Aber dann verhält es sich wie beim Autokauf. Kein Radio? Keine Sitzheizung für den Winter? Keine Klimaanlage für den Sommer? Großer Kofferraum? Beinfreiheit?

Ja, das ist ja alles nur Schnickschnack für’s Wohlbefinden“, gebe ich dir vollkommen recht. Das Auto fährt auch ohne dem von A nach B.

Und ich wäre dir nicht mal böse, wenn du mich als Trauerredner jetzt mit der Sitzheizung vergleichen würdest. Sorge ich doch im besten Fall für empathisch wohlige Wärme während der Trauerfeier.


Daher die nicht völlig verkehrte Frage: „wie willst du reisen?“ Diese meist 2 Wochen vom Todestag an bis Urne oder Sarg z.B. in Grab und Stein am Friedhof ankommen.


Alle Bestatter wissen, dass ihre neuen Kunden auch mit dem Gefühl „der nimmt mich jetzt aus wie ein Weihnachtsgansl“ das erste Mal bei ihnen anrufen oder hereinkommen. “Schauen wir mal, ob der günstiger ist“, kommt noch hinzu, wenn der Kunde das erste Mal in die Filiale kommt und sich vielleicht schon im Internet ein bisschen vorbereitet hat oder gar bei anderen Bestattern einen Kostenvoranschlag für das Begräbnis geholt hat.


Hier treffen zwei Welten aufeinander - Erwartung und Realität. Und bei beiden kommt es darauf an von welchem Punkt aus man blickt.

Die Erwartung des Bestatters mit seinem Begräbnisanbot das Optimum an Leistung für einen möglichen Kunden zu erbringen und die Erwartung des Kunden vielleicht auch hier ein Schnäppchen zu machen. Genauso wie die Realität, dass Bestatten eine höchst persönliche Dienstleistung ist, deren Qualität eine sehr stark soziale Komponente trägt. Und die Realität, dass Bestatten und Begraben eine Besorgungs-Dienstleistung ist, die Zeit, Material, Personal und Logistik beinhaltet.

„Um des Geld kann ich mir ja ein Auto kaufen!“

Ja in Österreich sind Dienstleistungen mit hohem zeitlichen Aufwand nicht billig. Aber dafür hast du auch mit einem heimischen Unternehmen zu tun – oftmals mit einem Familienunternehmen aus der Region – und nicht mit einem multinationalen Konzern, der vielleicht EU-weit keine Steuern zahlt, oder dich mit billig-Arbeitskräften bediehnt.

Bleiben wir beim Auto-Beispiel. Mit einem Mercedes AMG wirst du genauso wie mit einem Dacia Sandero am Ziel ankommen. Das „wie sicher?“, „wie komfortabel?“, „wie zufrieden?“ macht den Endpreis aus. Ist dir nur die Erreichung des Ziels wichtig und die Fahrt egal, wird dir der günstige Kleinwagen reichen. Willst du mit Stil und Komfort die Reise selbst zu einem Erlebnis machen, wird die Oberklasse dir mehr bieten.


Es ist aber verständlich, dass Konsumenten mit Preisspannen von beispielsweise 2999,- bis 7350,- einen klaren Favoriten sehen können.


Was ich dir aber heute zeigen will ist, dass du ein bisschen weiter nach oben blicken mußt, als bloß unten an der Summe des Kostenvoranschlages die Wahrheit zu suchen. Erinnere dich an meinen Blogbeitrag Undurchsichtige Begräbnispreise. Wenn du den vor dir liegenden Kostenvoranschlag ein wenig nach oben verfolgst, kommst du auf zwei Summen. Die der Eigenleistung und die der Zukäufe.

Wie in Undurchsichtige Begräbnispreise erklärt, tragen mehr Faktoren zu dem wirklichen Begräbnispreis bei.


Hier ist nun deine Wahrnehmung gefragt. Siehst du den Leichenschmaus als zum Begräbnis gehörig? Läßt du dir vom Bestatter den Blumenschmuck organisieren und liefern oder von der Blumenbinderei? Transportierst du die Gestecke selber? Wie weit bist du in die Organisation aller Dokumente und aller Behördenwege eingebungen und wie viel davon läßt du dir vom Bestatter deines Vertrauens abnehmen? Organisiert er den Grabstein regional, oder bestellst du einen im günstigen Ungarn auf einer Fahrt in den grenznahen Beautytempel?

Du siehst, da tun sich schon Gräben im Preisgefüge auf, die einen klaren Unterschied erkennen lassen: die Leistung.


Dienstleistung; das sind eigentlich 2 Worte in meiner Geschäftswelt; Dienst und Leistung. Für beides gibt man Zeit. Für beides sollte man remuneriert werden. Was also ein Begräbnis wirklich kostet, hängt von der Zeit und der Leistung ab, die du dir geben und abnehmen lassen möchtest. Und diese Zeit ist kostbar; nämlich deine!


Einer der leidvollsten Sätze in der Vorbereitung eines Begräbnisses ist:

“ich habe in den letzten 2 Wochen einfach nur funktionieren müssen“.

Ich höre diesen Satz immer erst zwei bis drei Tage vor einem Begräbnis. Das ist besonders dann, wenn Kunden das „möglichst billig“ Spielchen gespielt haben und sich nichts haben abnehmen lassen. Oder, wenn sie sich eben nicht wie ein emanzipierter Kunde „mehr“ informiert haben und beim nächst-Besten in die Filiale unten am selben Hausblock gelaufen sind.

„Weil die Bestattung ja so praktisch in der Nähe ist“.

Ja, sein wir uns ehrlich. Zu einem Bestatter gehen, ist für Viele wie zum Billa, Hofer, Lidl, Merkur oder Spar fahren. Was näher liegt, dort fahren wir hin.


Auch beim Essen sind wir Jahrzehnte lang keine emanzipierten Kunden gewesen und hatten keine Ahnung was an E-Nummern, Anbaugebieten, Lieferketten und Gütesiegeln wirklich einen Unterschied macht. Die Situation hat sich im Sinne des Konsumenten gebessert. Wir sind schlauer geworden. Dank vieler Informationsseiten, Videobeiträgen, Dokumentationen, medialer Berichterstattung und natürlich Blogbeiträgen.


Du siehst, warum ich begonnen habe diesen Blog zu schreiben und dich immer auffordere ein emanzipierter Kunde im Thema Bestattung zu werden?


Der Satz „ich bin noch gar nicht zu meiner eigenen Trauer gekommen“ ist einer, der meist erst bei mir fällt. Weil ich meine Auftraggeber zu dieser Erkenntnis auch ganz absichtlich führe. Man wird in diesen nicht ganz zwei Wochen vom Organisator eines Begräbnisses zu einem Hinterbliebenen. Und manches Mal erst, wenn in der Aufbahrungshalle die Einzugsmusik für Priester oder Grabredner beginnt.


In diesem Moment verfliegt für die Meisten die Frage ums Geld. Die eigene Trauer wird bewußt. Und die zweite Frage der Zeit vor einem Begräbnis wird zur großen Hoffnung: „Wie mache ich ein Begräbnis zu einem schönen Begräbnis?“ (ließ hierzu meinen Blog)


Tipp:


Was kostet ein Begräbnis wirklich? Ganz einfach:


Was es dir wert ist und was dir gut tut.

Ist es der goldene Sarg und ein komplett verzierter Grabdeckel? Ist es die Boogie Musik, die dein Vater jeden Sonntag aufgelegt hat und mit der Mama, die eigentlich mit dem Staubwedel unterwegs war, eine flotte Sohle im Wohnzimmer hingelegt hat? Sind es die salbenden Worte des Priesters die den Weg ins Jenseits bereiten sollen und Gott bitten die Seele zu empfangen? Ist es die Beiwagenmaschine, mit der der Sarg zum Friedhof gefahren wird, weil deine Frau schon immer eine grandiose Sozia auf jeder Tour durch Europa war?

Du siehst all das sind keine Fragen des Preises – ihre Erfüllung aber mag es wirklich wert sein dafür Geld in die Hand zu nehmen.


Ein Begräbnis kostet was DU willst.

Die einzige frage die Bleibt: "kann dir dein Dienstleister das bieten?"


Darum mache dich zu einem emanzipierten Kunden im Thema Bestattung. Denn der Tag wird kommen, wenn man dich hoffentlich fragen wird, „was möchtest du?“.