Wie bereitet man sich auf ein Begräbnis vor?

Aktualisiert: 8. Mai

Oder - Der Tod ist ein Hoppala


Seit Jahren frage ich mich, wie ich das machen werde, wenn mein Papa stirbt.

Gestern Abend hat mich Mama angerufen und mir gesagt: „der Papa ist verstorben“.


copyright-fotoshooting-wien.at Ob du es glaubst oder nicht, eigentlich ist es ganz leicht.

Mit kleinen Schritten – Das ist die Antwort.


Das habe ich vielen empfohlen, die mich in den Vorbereitungsgesprächen, die ein Grabredner führt, gefragt haben. Du könntest jetzt sagen: “ja klar, du hast’s leicht – du bist vom Fach“, aber das bedeutet nur, dass ich die Abläufe kenne. Ich habe mich also, wenn auch nur beruflich, mit dem Thema auseinandergesetzt und kenne meine Alternativen (und die modernsten Angebote der Bestattungsbranche). Ich weiß, dass Mama und ich nun etwa 10 bis 14 Tage Zeit haben.


Vor ein paar Tagen aber, hat mich eine (durch die Jahre etwas entfernte) Freundin angerufen und mich gefragt: „arbeitest du noch als Grabredner?“ Ich war total perplex, dass sie gar nicht wusste, dass sich in meinem Berufsleben nichts verändert hatte. Ja, heutzutage trennen uns nicht Distanzen sondern bloß das Leben. Da sagt sie mir: “mein Opa ist verstorben, würdest du uns wie bei der Oma begleiten?“. Sie saß bereits beim Bestatter und hatte einen Tag nach dem Tod vom Opa alles fixiert. Weil man das halt so macht, weil man es hinter sich bringen will.


Ich hätte ihr gerne gesagt; „Lass dir jetzt einmal Zeit und schau dich um. Lass dich inspirieren von dem was möglich ist. Und lern und erfahre an dir selber, dass eine jede Handlung und ein jeder Entscheid von dir in dieser Zeit wichtig ist, um diesem letzten Weg für den Rest deines Lebens einen bleibenden Wert zu geben.“

Sie aber hatte dies schon beim letzten Begräbnis so gemacht (oder eben verabsäumt) und man hatte ihr als erstmalige Bestattungskundin (Bestattungs-Jungfrau) gesagt, dass man das so macht.


Vielen geht es wie ihr. Ich habe darüber mit einem Bestatter gesprochen.


Mehr Informationen hierzu bekommst du auf dem Youtube-Kanal der Bestattung Gerobel



Mitunter aber wollen wir von dieser Zeit nichts „erwarten“ oder gar „mitnehmen“. Kein Wunder, dass wir in nur 150 Jahren von einer Kultur des selber-Bestattens (wo die Familie von der Aufbahrung bis zum Begräbnis alles selber getan hat) zu einer Kultur der „Besorgungs-Bestattung durch Dritte“ geworden sind.


Ja auch ich habe den Bestatter meines Vertrauens noch gestern Abend angerufen, aber um Hannes Ramoser zu sagen, dass ich mit ihm meinen Papa aus dem Krankenhaus holen werde und bis zum Absenken ins Grab in diese letzten Rieten einbezogen sein möchte. Ich war damals „nur Gast“ bei den Begräbnissen meiner Großeltern. Bei meinem Vater möchte ich vieles nachholen, von dem ich heute nach 9 Jahren als Nachrufsprecher weiß, dass es mir auf meinem kommenden Lebensweg gut tun wird. So eben auch mich ganz bewusst mit den mir wirklich wichtigen Dingen auseinander zu setzen.

Da steht natürlich die Frage:

Wie macht man ein Begräbnis zu einem schönen Begräbnis?“

weit vorn. Ließ hier nach.


Auch hier ist die Antwort sehr leicht – mit etwas Liebevollem


 

Das ich den Nachruf für meinen Papa selbst halten werde, war mir immer klar. Bis gestern Abend hatte ich immer Bammel davor – heute nicht mehr. Ich weiß, ich bin voller Geschichten über ihn. Und der Tod reißt keine Lücke. Die würde nur ich selbst erschaffen, wenn ich mich verkrieche und versuchen würde den Schmerz nicht zu fühlen.


Und doch ist der Tod immer ein Schock. Auch wenn man Jahre „weiß dass…“ und „sich an den Gedanken gewöhnen darf“. Der Tod ist für unser Leben ein Hoppala. Eine emotionale Zäsur. Für meinen Papa vielleicht wie für viele eine Erlösung und ein letzter Freund, der sein Versprechen eingelöst hat und ihn friedlich hat einschlafen lassen.


Für wiederum Andere ist dieses Hoppala ein Plötzlich und ein furchtbarer Schreck ohne jede Vorbereitung oder -ahnung. Daher bezeichne ich den Tod (diesen Stolperstein in unserem Leben) immer als die für uns bereits ausgelegte Bananenschale. Und wenn man als Mensch weiß, dass sie irgendwo da vorn liegt auf dem Lebensweg, kann man das Ausrutschen und Stürzen umso deutlicher wahrnehmen.


Und genau das passiert auch mir gerade. Ich stürze und nehme wie in Zeitlupe wahr. (Nach einem Motorrad- und einem Mountainbike-Unfall kenne ich das)


Es ist 5h in der Früh und wer mich kennt weiß, dass ich um diese Zeit nie wach bin. Aber ich wusste gestern Mitternacht schon, dass ich nicht viel schlafen werde, also habe ich dem Tag heute ein frühes freundlich-ironisches Lächeln geschenkt.


„Tu etwas, das dir gut tut in jedem dieser kleinen Schritte“

Auch einer meiner Ratschläge für frisch-Hinterbliebene und der Grund warum ich hier für dich in die Tasten klopfe. Erinnere dich an Oben. Mach kleine Schritte! Die meisten Hinterbliebenen geraten in einen unglaublichen „Stress der Besorgungen“ rund um ein Begräbnis und verfallen in regelrechte Panik davor etwas falsch zu machen. Alles soll perfekt sein. Man will sich nachher keine Vorwürfe machen. (Erinnere dich hier an Begräbnisriten - Alles nur Show?) In Wirklichkeit programmiert man sich nur auf den Satz: “wenn ich das gewußt hätte“.

Den hat mir meine Bekannte auch schon gesagt.


Was dir gut tut entscheidest du. Wenn dir die Paten nicht so wichtig sind, konzentriere dich auf wen du einlädst und wer dich an diesem Tag begleiten soll. Wenn dich das Bereitstellen von Oma’s Lieblingsrosen mit Freude über ihre Freude erfüllt organisiere das. Aber glaube nicht, dass es mit planen und organisieren allein getan ist. Das lenkt dich nur vom Wesentlichen ab.


Frag dich: „Warum bin ich traurig?“

Und wenn du die Antwort nicht weißt, such alle Fotos und Filme heraus, die dein Leben mit ihm oder ihr dokumentiert haben. Nimm dir Zeit und sieh hin.

Sie dir an: „WARUM DU TRAURIG SEIN KANNST“.


Das ist heute mein Tipp an dich.

Traurig sein ist ein Können!


Lerne stolz auf deine Trauer zu sein indem du für dich zu begreifen beginnst, warum du überhaupt traurig bist.


Da gibt es immer 2 – ein „Ich will“ und ein „Ich habe“


Über diese werde ich dir ein anderes Mal erzählen.


Jetzt kümmere ich mich mal um meine Mama.


Und ich brauche eine Banane....



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