Wie bereitet man seine Trauergäste auf das Begräbnis vor


Du wirst dich gerade ganz bestimmt wundern und fragen: „Macht man das überhaupt?“

Oder Du frägst dich: „Machen das andere?“

Und die Ehrliche Antwort ist „Nein“ und genau da liegt das Problem.


Ich werde dir heute zeigen, welchen Unterschied es machen kann, wenn man seine Begräbnisgäste rechtzeitig…und hier ist das richtige Wort „einstimmt“. Und nicht bloß informiert.


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Das mit dem "Informieren" ist für die Meisten mit dem mehr oder weniger langwierigen Gestaltungsprozess der Parte erledigt. Viele verlieren sich beim Aussuchen von Schriftarten und Blocksatzformen buchstäblich im Wasserglas. Dann noch ein schöner Spruch oben drauf und neben Datum, Uhrzeit und Location erfährt man ob und wem man lieber spenden soll anstatt viel Geld für Kränze auszugeben. Und das wars dann meist schon mit den Informationen für Begräbnisgäste.

Lass uns einen kleinen Sprung zur planenden Familie machen und den Fragen die bezüglich des Begräbnisses auftauchen (wenn sie denn mal jemand stellt…) lauschen.

„Ob wir das beim Begräbnis spielen können?“

Hier geht es meist um das Lieblingslied des oder der Verstorbenen oder eben den Song, der für

die Familie besonders aussagekräftig „sein/ihr Leben wiederspiegeln würde“. Aber man ist sich nicht sicher, ob „das die anderen Gäste auch so verstehen /akzeptieren würden“. Natürlich erkläre ich dann als Grabredner in der Zeremonie warum wir diesen Song nun spielen.


Tipp:

Gibst du deinen Gästen schon einen gewissen „Ausblick“ auf den Ablauf des Begräbnisses, verschafft dies auch Kurzweil und besseres Verständnis, wenn „man weiß was/warum kommt“. Einer eventuell aufkommenden Verwunderung deiner Gäste kannst du so am besten vorbeugen. Dann wundert sich auch keiner, wenn mal ein außergewöhnliches Lied zum Höhepunkt der Trauerfeier gespielt wird oder wenn man gebeten wird zwischendurch aufzustehen und Kerzen anzuzünden und nach vorne zu bringen. Manch Einer freut sich vielleicht schon besonders auf die kleine Darbietung eines musikalisch begabten Angehörigen.


„Eigentlich mag ich das nicht, wenn mich dann alle an dem Tag so bemitleiden“

Viele Hinterbliebenen trauen sich gar nicht offen zu sagen, dass ihnen „das viele Kondolieren“ an dem Tag zu viel ist. Man möchte ja niemanden in seiner „eh gut gemeinten“ Anteilnahme vor den Kopf stoßen. Aber nach dem 40sten „Mein Beileid“ kennt man den Spruch dann. Und es kann der tapfersten Witwe im Winter dann draußen am Grab auch schon einfach kalt werden, bis endlich alle ihr „letztes Schauferl“ nachgeworfen haben und ihr zum Schluss nochmal kondoliert haben. (Ja, im Schnitt hören die Angehörigen 2x "Mein Beileid" von ihren Gästen; beim Kommen und nach dem Abschied am Grab. Als liebevoller Gast könnte man da seinen Spruch "variieren"...)

Tipp:


Du wirst von vielen deiner Gäste während der Vorbereitungen zum Tag des Begräbnisses bereits telefonisch kontaktiert werden. Genau hier ist der perfekte Zeitpunkt um ihnen auch deine Erwartung wie du möchtest, dass man sich dir gegenüber an diesem Tag verhält, mitteilst.

„Sei ganz normal zu mir."

"Red mit mir wie immer. "

"Klar darfst mich umarmen."

"Bitte sei diejenige die nicht ‚Mein Beileid' zu mir sagt“.


Du darfst davon ausgehen, dass die meisten Begräbnisgäste sowieso nicht wissen, wie sie mit dir an diesem Tag „umgehen“ sollen; dass sie selbst davor Angst haben, dich emotional mit ihrer eigenen Trauer und dem öffentlichen Zeigen derselben zu überfordern. Klar, niemand mag derjenige gewesen sein, der die Familie zum Heulen gebracht hat.


„Momentan geht es mir ganz gut. Die werden mich alle für verrückt halten, dass ich da jetzt nicht in Tränen zerfließen kann/werde

Ich habe diesen Satz schon unzählige Male gehört und er zeigt auch, dass der Tod uns manches Mal auch „ein letzter Freund“ zu sein vermag. Diesem Satz folgt meist: „es war wirklich eine Erlösung“.

Doch gerade dort, wo „ordentliche Trauer von der Gemeinde erwartet wird“, stecken die Hinterbliebenen, die selbst schon das Leid ihrer/s Geliebten Verstorbenen nicht mehr ertragen konnten, im Dilemma der öffentlichen Bewertung: „Trauern die eh genug?“


Tipp:


Auch hier wirkt der Verweis in Parte, Messanger oder Telefonat bereits Wunder. „Der Tod hat Ihn/Sie erlöst und daher wollen wir nicht bloß die letzte schwere Zeit seiner/ihrer Krankheit mit euch erinnern, sondern all der schönen Tage von ihm/ihr unter uns gedenken und sein/ihr Leben mit euch allen feiern.“


„Wir wollen lieber eine Feier seines/Ihres Lebens aus diesem Abschied machen und nicht bloß ein Schwer aus diesem Tag, das uns erdrückt.“

Gerade bei diesem Wunsch rate ich jedem meiner Auftraggeber, wirklich keine Angst davor zu haben, ihn den Gästen des Begräbnisses zu kommunizieren.

Gerade die Erwartungshaltungen „unvorbereiteter Gäste“ machen es oft zu einem Schwierig bis Unmöglich sich von eingefahrenen Mustern àla „weil sich’s so g’hört“ zu befreien.

Was liebevoll und dankbar bei einem Begräbnis getan wird, kann nicht pietätlos sein!


Stell dir die Szene mancher Aufbahrungshallen ruhig auch mit einem gewissen Gruppen-Druck vor. Der „Herdentrieb“ macht etwas mit deinen Gästen und auch mit deiner Familie. Manch einer traut sich dann einfach nicht „mitzugehen“ wenn die Stimmung vielleicht etwas leichter und liebevoller werden könnte; durch zum Beispiel eine liebevolle Anekdote, wie er und sie sich damals kennen und lieben gelernt haben. Und da wo man sonst schmunzeln oder gar lachen würde (ja, wir alle sind ja auch mal patschert und auch solche Zoten machen ein würdevolles Gedenken „menschlich“) drücken die versteinerten Mundwinkeln der Sitznachbarn auch die der glücklich erinnernden Familie nieder. Die emotionale Regung wird vom Gruppenzwang erdrückt.


Tipp:


Das Zauberwort heißt „Erwartungshaltung“

Deine, trifft auf Die deiner Gäste. Wenn du davon ausgehen kannst, dass sie höchstwahrscheinlich bisher immer nur auf diesen „mieselsüchtigen Begräbnissen“ waren, die man „bloß schnell hinter sich bringen will“. Dann hilf ihnen zu erahnen, dass eures ein wunderschönes und erinnernswertes zu werden vermag: „WENN IHR ALLE MITMACHT“.


„Opa hat doch gesagt, dass keiner in Schwarz auf sein Begräbnis kommen soll…“

Gerade bei der Kleidung ist oft "der Gruppenzwang der Meinung" der eingeladenen Dorfgemeinde oder Nachbarn am Schlimmsten. Ich bin auch schon mal „falsch angezogen“ zu einem Begräbnis erschienen. Aber nur weil mir keiner gesagt hat, dass: „alle in gagerl-Gelb und in Orange zum Begräbnis der Oma kommen werden, weil das ihre Lieblingsfarben waren“ Natürlich kann man „nichts falsch machen“, wenn man in Schwarz auf ein Begräbnis kommt. Aber macht man damit etwas „Liebebvolles“?

Welche Konformität ist die Schönere?

  • "Weil sich’s so g’hört…"

  • "Weil wir uns alle dazu entschieden haben…"


Unaufgefordert trauen sich die Wenigsten etwas für die Trauerfeier oder den Nachruf beizusteuern.


Aber gerade von manchen Freunden kommen die schönsten Worte der Anteilnahme und Erinnerung, die ich sie immer(!) ermuntere selbst vorzulesen oder sie in ihrem Namen vortrage.

Nichts ist berührender, wenn die Bandkollegen des Hobbymusikers oder die Chordamen der leidenschaftlichen Sängerin anstatt einer CD das Begräbnis begleiten. (Und von der blockflötenden Enkelin brauchen wir ja gar nicht zu reden).

Es ist unfassbar(!) schön, wenn plötzlich alle Gäste eines Begräbnisses gemeinsam in das Lied einstimmen, das für ihn oder sie gespielt wird. (Darum schickst du am Besten den Text mit der Parte mit, wenn du so etwas erleben möchtest)


Und hier mein abschließender Tipp für heute:


Mache ein Begräbnis für dich und deine Gäste zu einem „mit Freude - erwarteten - Erlebnis“.

Nicht zum „schlimmsten Tag“ – der war schon.

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