Was passiert am Grab?


Es ist der eine Ort zu dem unser Lebensweg hinführt. Das Ziel „auf dem letzten Weg“.

Dort wohin sich der Kondukt von Kirche oder Halle aus auf den Weg macht.

Wie es nun auch aussehen mag, oder wo es sein wird, sei für unsere dieswöchige Frage irrelevant.

Was aber soll dort für euch Angehörige passieren?

Und du wirst dich fragen: „Na, Sarg oder Urne kommen in's Loch – was soll denn sonst noch passieren?“

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Soll die Urne in die Erde gestellt oder der Sarg versenkt werden? Wüßtest du, dass du dir wünschen kannst, dass der Sarg heroben bleiben soll, bis ihr weg seid?


Ich habe vor einigen Jahren eine Sarg-Verabschiedung mit Tumba begleitet. Die Tochter des Verstorbenen erzählte mir: „ich halte das nicht aus, wenn der Sarg da hinuntergelassen wird am Ende. Wie ihn da dieses schwarze Loch verschluckt.“ Also habe ich mit dem Arrangeur der Aufbahrung gesprochen, dass er diesmal bitte so lieb sein soll und nicht auf das Knöpfchen des Versenkungsautomaten drücken möge.

Man muß ja den Angehörigen nicht unnötig weh tun.

Als die Trauerfeier zu ende war und das Schlußlied gespielt wurde, setzte sich aber dennoch der Sarg in Richtung unterirdischer Gefilde der Aufbahrungshalle in Bewegung. Im selben Moment sprang die Tochter tränenüberströmt von ihrem Platz in der ersten Reihe auf und lief schluchzend aus der Halle.


Verstehst du jetzt, warum ich JEDEN meiner Auftraggeber frage, was am Grab mit Sarg oder Urne passieren soll?

„Business as usual“, kann richtig weh tun.


Soll die Beisetzung in Stille erfolgen?


Ich werde oft gefragt: „kommen Sie eigentlich mit auf’s Grab? Sprechen Sie da noch ein paar Worte?“ Ich käme ehrlich gesagt gar nicht auf die Idee mich einfach nach Schluß in der Halle davonzustehlen. Erstens bin ich ja auch Gast bei seinem oder Ihrem Begräbnis und mir würde irgendetwas fehlen, wenn dann dort so sang und klanglos in Stille versenkt werden würde. Und andererseits mag ich mich ja auch noch von meinen Familien verabschieden.

Nein, ich kondoliere nicht! Ich wünsche „Alles Gute!“ (lies hierzu meinen Blog Die dummen Sprüche beim Begräbnis)

„Auf Wiedersehen“, sagt man in meinem Beruf besser nicht am Friedhof

Für manchen ist Stille aber genau der richtige Abschluß. Und was ich persönlich für „schön und richtig“ empfinden würde, hat da gar nichts zu sagen. Aber reden sollte man zumindest darüber und alle Möglichkeiten kennen.


Wer gegen erdrückende Stille etwas hat, kann mittels Lautsprecher, Tonsäule, USB-boombox, Live-Musik mit Sänger und Instrumenten (lies hierzu meinen Blog Live-Musik statt CD zum Begräbnis) die letzten Momente ganz nach seinem Stil begleiten.


Ein guter Freund von mir hat zum Begräbnis seines Vaters beim Ablassen des Sarges Monty Python - Always Look on the Bright Side of Life spielen lassen


Life's a piece of shit When you look at it Life's a laugh and death's a joke, it's true

GRANDIOS



Was passiert mit den Blumen und Kränzen?


Nachdem beim Eintreffen der Hinterbliebenen VOR dem Begräbnis geklärt wurde:

  • ob der Graber die Nachwerf-Blumen bis zur Grabstelle trägt, um sie dort jedem Gast in die Hand zu geben,

  • oder man diese jedem Trauergast schon ganz zu Beginn der Trauerfeier – sozusagen damit man was zum-daran-festhalten-hat – ausgehändigt hat.

Können nun die Blumen auf den Sarg der heroben bleibt gelegt werden, oder dem abgelassenen nachgeworfen werden. Bei einer Urne können die Blumen rund um die Urne herum in das Loch (sofern groß genug ausgehoben) dazu-gesteckt oder einfach dekorativ daneben abgelegt werden.

Manche Hinterbliebene und auch manche Graber haben zur Ablage von Blumen und kleinen Gestecken eigens ein weißes Bast-Körbchen dabei oder stellen eine eigene Vase am Grab auf.


Bei Kränzen gilt es die Größe zu bedenken und ob diese auf ein Urnen- oder ein Sarg-Grab gelegt werden können oder sollen. Bei Kremationen zum Beispiel kann es sein, dass der Krematorium-Betreiber die Kränze nachher entsorgen lassen muß, weil es keinen ausgemachten Transport zur Grabstelle am Friedhof gibt. Bedenke also ob du deinen 400 Euro teuren Kranz nicht nachher doch lieber mitnehmen möchtest und ein paar Tage selbst etwas davon haben willst, anstatt ihn nach 40 Minuten wieder der Natur (am Komposthaufen) zuzuführen. Ansonsten werden die Kränze der Gäste am Grab „gestapelt“ und bis zu ihrem verwelken und Abtransport durch dich oder z.B. deine Grabpflege belassen.




Grabbeigaben


„Kann man noch etwas mitgeben?“, ist auch eine immer öfter gestellte Frage. Ist es verrottbar und mit den Vorschriften des Friedhofes vereinbar? Blechspielzeug oder die Kleinbahn-Lok wird bei Betreibern von Waldfriedhöfen z.B. eher nicht auf Gegenliebe stoßen. Aber dein Brief oder die Zeichnung für den Opa können ohne weiteres in Sarg oder Urne (VOR Beginn der Feier – und auch eventuell bevor andere Gäste die Halle betreten – offene Sargdeckel schrecken!) hinzugegeben werden. Ansonsten können Briefe auch in das Sarggesteck (das mit-versenkt werden soll oder nicht?) gesteckt werden. Das "letzte Packerl Tschick" findet am Sarg mit doppelseitigem Klebeband sicheren Halt. Die Bierdose aber sollte besser bei der Kremation beigegeben werden (wenn das OK vom Krematorium eingeholt ist). Da sorgt die Hitze für ein schnelleres Auflösen. Am Friedhof wären 80-200 Jahre notwendig, bis das Aluminium zu Staub zerfallen ist.


Tipp:

Was nicht nachgeworfen werden soll

  • Das eigene Handy

  • Das Schauferl

Die Grabstelle ist der Ort, an dem es dann wirklich bewusst wird, was an diesem Tag geschieht. Wo ankommt, was man vielleicht schon seit langem verdrängt hat, oder wo man endlich loslassen, losplärren oder sich einfach mal in die Arme der Familie fallen lassen kann.

Mache diesen Moment ganz bewusst zu deinem ganz persönlichen Abschied und Erlebnis, denn du wirst ihn nicht vergessen.

Mache dich, damit du das kannst, zu einem emanzipierten Kunden im Thema Begraben und Bestatten. Hier bist du auf dem richtigen Weg.


„Alles Gute“ dabei!


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