Sich begleiten lassen in der Trauer

Aktualisiert: Feb 12

Trauer ist ein Weg den man geht – nicht unbedingt allein.


„Es ist ein Prozess“, sagen die einen.

„Es ist ein Weg“, sagen die anderen.

Ich sage: „es ist ein DU KANNST“.


Es ist kein leichter Entscheid, sich zu seiner eigenen Trauer zu bekennen. Ihr im eigenen Leben einen wirklich bewussten Platz und Ort in deiner Seele zu geben, an dem sie sein darf.

Denn genau das darf Trauer in unserer heutigen Happy-Gesellschaft nicht – sie darf nicht sein.

Du darfst nicht traurig sein!

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Da sind sofort Mama oder Oma, die „Eiei“ machen. Väter die ermahnen: “Männer weinen nicht“ und Freunde oder Kollegen die einen dafür verspotten oder als „Weichei“ belächeln, wenn du mal Schwäche oder Gefühle offen zeigst.


Daher kaum verwunderlich, dass ich als Trauerredner tagtäglich die „harten Typen“ (ja auch Frauen), die mit ihrer eigenen Trauer wenig anzufangen wissen, treffe.

Dabei ist diese „Härte“ immer nur eine zum Schutz vor der Außenwelt aufgesetzte Maskerade. In Wirklichkeit wollen wir trauern und traurig sein dürfen. Aber aus Angst: „was könnten die anderen denken / sagen / von mir halten?“, schlucken wir runter und vergraben ganz tief. Am besten gar nicht damit befassen.


"Wir verlernen ganz bewußt, absichtlich und aktiv als erwachsen-Werdende zu trauern."

Aus Scham. Aus Zwang. Aus Angst.


Unser Unterbewusstsein bekommt so aber unverarbeitet all den seelischen Müll, den wir kognitiv verdrängen, 1:1 vorgesetzt. Doch unser Unterbewusstsein ist nicht dafür ausgerichtet Probleme zu lösen. Wir schlucken runter - unser seelischer Magen aber hat keinen Saft.

Das Burnout Syndrom ist wohl der bekannteste Vertreter dieser emotionalen Selbstfolter, die wir durch Stress, Leid, Trauer oder Furcht im Alltag uns selber auferlegen. Das Schlimme daran, wir kommen aus dieser Situation meist selbst nicht mehr heraus. Gerade in der Trauer nicht, wo doch der Tod ein unabänderbares Faktum in unser Leben gesetzt hat. Es bedarf positive Veränderungen deines alltäglichen Lebens, Selbstreflektion und Verständnis in deiner Wahrnehmung deiner eigenen Gefühle. Und wer ist (vielleicht nach Jahrzehnten des Negierens und Verdrängens) schon so geübt mit sich selbst, sich auf den richtigen Weg zu schubsen?


Wie alles im Leben braucht es auch hier einen Ersten Schritt. Ein Entscheid geht diesem voran. Zu dem man kommen sollte, um sich in der eigenen Trauer helfen zu lassen. Und hier sind gleich zwei ganz wichtige Worte gefallen, die dem Thema dieser Woche die Wendung vom Problem zum Tipp der Woche geben:


ENTSCHEID und LASSEN


Entscheide dich dazu, dich in deiner Trauer begleiten zu lassen

Für das WARUM habe ich dir diese Woche Isabel Lopez-Kubben als Gast-Autorin in meinen Blog eingeladen.


Tipp:


Hallo, ich bin Isabel. Psychologische Beraterin, Sterbe- und Trauerbegeiterin und leite die Praxis Herzwerkstatt. Ich freu mich heute ein wenig mit Thomas über meinen Dienst in der Trauer plaudern zu dürfen.


T: Wie erlebst du "moderne" Menschen in ihrer Trauer?

In der heutigen Gesellschaft sind Menschen oft von ihren eigenen Emotionen überfordert und können nicht mit ihnen umgehen. Wenn sie es den überhaupt zulassen. Nicht selten erlebe ich es in der Begleitung, dass Klienten sich für ihre Tränen entschuldigen, und ich sage immer „Ja, wo wenn nicht hier?“. Das Ausdrücken von Emotionen ist so wichtig um unser Herz zu heilen. Unser Umfeld ist es nicht gewohnt Trauernde zu sehen- sie wollen fröhliche Gesichter sehen, und das möglichst schnell. Das führt dazu, dass Trauernde sich nach kurzer Zeit allein gelassen fühlen in ihrem Schmerz. Nach einigen Wochen heißt es dann schon wieder: „jetzt ist es aber gut mit traurig sein- du musst loslassen“. Das führt dazu, dass sie sich immer mehr zurückziehen, und beginnen eine Maske aufzusetzen.

T: Warum ist es gut für mich, mich in meiner Trauer begleiten zu lassen?

Um all seine Gedanken, die man nahen Angehörigen und Freunden nicht zumuten möchte loszuwerden. Um neue Perspektiven und Gedankengänge zu bekommen. Wenn die Trauer festgefahren ist, und man sich selbst Druck macht. Um Verarbeitungsprozesse einzuleiten, und Methoden zu erlernen mit Emotionen umzugehen. Eine Begleitung eröffnet neue Perspektiven, die man oft im Schmerz nicht sehen kann.


T: "Meine Trauer ist privat - das geht niemanden etwas an", sagen viele. Und genau da ziehen sich viele zurück. Mitunter aus falscher Angst, dass ihre Art zu trauern fehl-gedeutet und mißverstanden wird. Hat jemand einen anderen Umgang mit Trauer, und wird kurz nach einem Verlust lachend gesehen, wird das genauso verurteilt und auf Verdrängung hingewiesen. Trauer ist ein sehr individueller und komplexer Verarbeitungsprozess, in dem es kein Falsch und kein Richtig gibt.


T: Für dich sind Trauernde "ganz normal" - wie gehst du mit ihnen um?

Es gibt immer ein Erstgespräch, in dem man sich kennenlernen kann. Ich gebe immer den Raum und den Rahmen alles auszusprechen was belastet. Alle Emotionen haben dort Platz. Ich arbeite in der Praxis gerne mit systemischen Ansätzen und Methoden aus der psychologischen Beratung und auch Körperarbeit integriere ich gerne, da das Körpergefühl von Trauernden oft in den Hintergrund rückt. Aber gerade da, kann man mit Körperstreichungen, verbunden mit hochwertigen Ölen ganz viel bewirken und Emotionen verarbeiten. Meine Arbeit wird von einer ganzheitlichen Sicht auf den Menschen geprägt. Dazu gehören für mich auch spirituelle Bedürfnisse.

Viele Klienten wünschen sich auch ganz konkret eine Spirituelle/ seelsorgerische Begleitung die ich auch anbiete. Hier steht im Vordergrund zu schauen worauf ich mein Vertrauen aufbaue, und wie die eigenen spirituellen Ressourcen in der Trauer unterstützen können. Ganz viele Menschen wünschen sich auch eine Verbindung zu Gott, weil sie spüren das es ihnen helfen kann, jedoch stehen ganz oft alte Themen die man in der Kindheit/Jugendalter mitbekommen dann im Weg. Hier gilt es auch Altes zu hinterfragen und die Spiritualität für sich neu zu entdecken und darin eine Kraftquelle zu finden.


T: "Ab Wann" wäre es gut sich helfen zu lassen?

Wann immer man das Bedürfnis verspürt. Wenn man das Gefühl hat, man kann mit niemandem darüber sprechen. Wenn man merkt man kann mit den eigenen Emotionen nicht umgehen. Wenn die Trauer auch alte Wunden neu aufbricht.

Ich habe Isabel als eine mutige junge Frau kennengelernt, die ihre Zeit und Kraft für etwas wirklich Gutes, das sie in Anderen bewegen will, gibt. Der Beruf Trauerbegleiter ist noch viel zu wenig bekannt in Österreich. Auch hier fehlt es uns als Endkunden an Wissen, wie wir diese besonderen Menschen nutzen können, um uns zu helfen und zu heilen. Isabel sorgt dafür, dass sich Ihre Kunden an ihrer eigenen Trauer emanzipieren.


Und wenn du jemanden kennst, der sie braucht - schenke sie weiter! www.isabel-lopez-kubben.at




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