Schmeißt mich in eine Grube

Zwischen Trauerprävention und Wurschtigkeit

Es ist einer der beflügelten Sätze unserer Altvordern, der uns den Tag ihres Begräbnisses und den Abschied von ihnen leichter machen soll. Aber ich erlebe in meinem Beruf als Trauerredner, dass es genau Sätze wie dieser sind, die in Wirklichkeit viel mehr zerstören und unmöglich machen. „Aber Papa hat es doch gut gemeint!?“ In Wirklichkeit müsste man darauf sagen: „Ja, aber Papa hat auch keine Ahnung gehabt, was er damit anrichtet.“ oder „Papa hat sich einfach selbst nicht mit seiner eigenen Sterblichkeit befassen wollen“.

"Wir haben nie darüber geredet."

Was ich dir heute zeigen will ist, dass DU vorsichtig sein sollst, was DU deinen Liebsten sagst, wenn es mal um DEIN Begräbnis geht.


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"Macht kein TamTam"

Mit deiner Aussage schlägst du sie vielleicht mehr in Ketten, als ihnen Leid zu ersparen.

Wenn das nun erwachsene 50-jährige Töchterchen Papa’s Wunsch folgen möchte: „haut’s mi in a Grubn, mocht’s kann Tamtam“, wird es „vorbereitet durch Papa’s Wunsch“ ganz anders mit Erlebbarem für den Begräbnistag umgehen, als wenn er ihr gesagt hätte: “mach es schön für dich und euch“

Aber wer erwartet schon, dass ein Begräbnis „schön“ werden könnte?

Mit Papa’s Gruben-Wunsch wird sie „möglichst kurz und schmerzlos“ zum Motto der Trauerfeier machen und weniger für Dienstleister ausgeben wollen, die mehr „auftragen“ würden. Sie wird den Kreis der Gäste klein halten wollen. Bitten, dass man von Blumenschmuck Abstand nimmt und dem Preiser oder Grabredner einschärfen „ned zu lang“.

Für einen Bestatter, der möglichst viele Termine hintereinander buchen können möchte, ein gefundenes Fressen. Wenig Arbeit mit dem Herrichten der Dekoration. Kaum oder kurze Ansprachen und schon ist man wieder raus aus der Halle. Die Gemeinde freut sich. Die Halle ist nach 60 Minuten wieder vergebbar und von weniger als zehn Gästen ist nicht viel dreckig gemacht worden. Die Reinigung kann noch eine Woche warten.

Bleiben wir aber beim Wunsch des Papa’s. Er spricht damit von seinem Begräbnis. Einem Tag, den er mit den Seinen lebendig kaum erleben wird. Und Papa hat auch ganz klare Beweggründe das so zu sagen. Er will schützen. Seine Liebsten davor bewahren sich in Unkosten zu stürzen. Es soll billig sein - sein Begräbnis, damit seiner Familie einfach "für G’scheiteres“ das Geld übrigbleibt. Er möchte auch nicht, dass sie in allzu große Gemütsaufregung geraten und vor Leid in Rotz und Wasser zerfließen.

Also schmeißt Papa vorsichtshalber zu Lebzeiten auch noch den Satz: „want’s ned um mi“ hinten nach.

Fassen wir zusammen: du darfst nix daraus machen und du darfst nicht weinen.

Und das ist, was ankommt bei seinen Kindern (Enkeln, wenn es um den Opa geht und diese auch schon Entscheidungsträger des Begräbnisses sein könnten). Das ist, was dann auch hemmt. „Weil der Papa es so gesagt hat und wir es machen wollen wie er es wollte“, höre ich dann von etwas verzweifelten Hinterbliebenen. Man will ja dem Wunsch des Verstorbenen gerecht werden.

Was aber, wenn der Verstorbene auch nur zum Selbstschutz alles Entscheidbare möglichst

lange von sich gewiesen hat?


Hast du schon dein Begräbnis geplant?

Ich auch noch nicht ganz (fix ist Metallica, Megadeath und kurze Hosen und Flipflops – ja auch im Winter *sfg). Es ist, als würde man es verhexen, wenn man es plant. Man darf dem Tod nicht zeigen, dass man bereit ist, dann kommt er ja nicht.

Und eben weil der Papa, der immer gesagt hat: „ich hab ka Angst vorm Sterben“, seinen Kindern in seiner Vater-/Führungsrolle den starken Mann vormachen wollte, haben die nun aus Angst „zu viel“ zu machen, nur mehr einen ganz eingeschränkten Rahmen an Möglichkeiten ein für sie/ihn/alle liebevolles Begräbnis entstehen zu lassen.

Man kann also ganz ungeniert „Schmeißt mich in eine Grube“ wirklich zu den „dummen Sätzen am Friedhof“ zählen (lies hierzu meinen Blogpost).



Tipp:

  1. Mach niemandem unmöglich seinen eigenen Weg der Trauer über dich zu finden.

  2. Du kannst niemanden der dich liebt davor bewahren.

  3. Du bist ein Schön in seinem/ihrem Leben – laß ihn/sie den Abschied von dir auch zu (s)einem /ihrem Schön machen.

  4. Er/sie muß dich lassen – laß du ihn/sie.


Mache dich zu einem emanzipierten Kunden im Thema Bestattung. Denn der Tag wird kommen, an dem man dich hoffentlich fragen wird: „Sag mal, wie hättest du denn gern dein Begräbnis?“.