Musik für ein Begräbnis wählen

Aktualisiert: 13. Feb.

„Bei meinem Begräbnis spielt’s meine Lieblingslieder!“
„Aber du magst doch Reggae (Pop/Rock/Metal)? Traust' dich das wirklich?“

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Die Wahl der „richtigen Musik“ kann ein Begräbnis zu einem wundervoll stimmigen Bild machen, es aber auch völlig emotional aus der Bahn werfen.


Bevor ich dir jetzt aber mehr Angst als nötig mache, hier eine kleine Auswahl an Musikstücken, die sich andere bereits auf ihren Begräbnissen haben spielen lassen:


ACDC – Highway to Hell Monty Python – Always look on the bright side of Live Kurt Sowinetz - Alle Menschen San Ma Zwider Disturbed – Sound of Silence Bill Haley – Rock around the clock Pirron und Knapp – Das Tröpferlbad Roger Whittaker – Abschied ist ein scharfes Schwert


Manches Mal reicht es schon zu wissen, dass wir nicht "die ersten so Verrückten sind".

Ich hoffe du hast jetzt schon ein bisschen weniger Angst deinen oder den Wunschtitel des/der Verstorbenen spielen zu lassen.

Es gibt keine „falsche Musik“ zu einem Begräbnis, WENN den Gästen erklärt wurde/wird, WARUM man dieses Lied nun abspielt.

WANN man es ihnen erklärt ist mitunter auch schon ganz hilfreich.

Du kannst zum Beispiel bereits in der Parte die ausgewählten Musikstücke „ankündigen“. Wenn es also etwas (für z.B. das Verständnis der im Schnitt 70-jährigen Dorfgemeinschaft) „Wilderes“ ist, können sich deine Gäste mit dem Beisatz


„wir spielen Opas Lieblingslied am Grab“

darauf einstellen.


Auch die Erwähnung und Erklärung in der Trauerrede (z.B. durch den Grabredner) vermag Klarheit über das WARUM des nächsten Liedes zu schaffen. Dann ist selbst ein Boogie oder Rock’n Roll genau das Richtige, wenn man gerade von der Jugend von Mama und Papa hört und dem Fortgehen, bei dem die beiden sich im Tanzkaffee an der Jukebox kennengelernt haben.


WENN du also deine Gäste mit-einbeziehst in die Geschichte des WARUM’s dieses Liedes, wird dir kaum jemand böse sein können – denn du hast der Würde des Verstorbenen keinen Abbruch geleistet, sondern damit zu einem liebevollen Erinnern mitten in der Zeremonie beigetragen.


VORSICHT!

Sprich bitte deine Musikauswahl besonders mit kirchlichen Würdenträgern gut ab!

Nämlich WANN WAS kommt. Ich habe es schon erlebt, dass Priester und andere es abgelehnt haben in der Halle zu bleiben, wenn keine „Kirchenmusik“ geboten wurde. Im Notfall spielt man Oma’s volkstümlichen Schlager nach dem Auszug von Hochwürden.



Begräbnismusik macht Stimmung: Passende Lieder für die Beerdigung und Trauerfeier

Die Tragweite und Sprengkraft dieses Satzes wiegt im Positiven wie auch Negativen.


Wenn sich Trauermusik negativ auswirkt:


· Wenn sie emotional überfordert „Wenn ich das dann höre, fange ich sicher gleich an zu heulen“, ist ein Satz den ich von Kindern und Enkelkindern immer wieder höre. Sie haben also wirklich Angst vor dem, was das Beerdigungslied in diesem so emotionalen Rahmen „mit ihnen macht“. Aber auch hier möchte ich dir Mut zusprechen. Musik soll uns berühren. Und wenn man bis zum Begräbnis hin alles hinuntergeschluckt hat und bloß versucht hat zu funktionieren, dann kann es auch schon mal „gut sein“ einfach losheulen zu dürfen. Und es ist OK. Und wer nicht versteht, wie es dir dort geht, der hat (sag ich mal) auf dem Begräbnis sowieso nichts zu suchen.

· Wenn sie zu lange Ich war einmal auf einem Begräbnis, dort wurde 27 Minuten lang mp3 Musik eingespielt. Als dann die Grabrede gehalten werden sollte, waren nur mehr die Hälfte der Gäste anwesend.

· Wenn sie den Ablauf spaltet Musik sollte ein Begräbnis inhaltlich „begleiten“. Wenn sie nichts beiträgt oder mit ihrem Text nicht auf Gesagtes bezieht, vermag sie Ablauf und Stimmung zu zer-/ stören. Manches Mal reicht es aber schon die Reihenfolge der Stücke etwas zu verändern, oder sie einfach an eine andere Stelle im Ablauf der Trauerfeierlichkeiten zu verschieben.


· Wenn sie falsche Emotionen einbringt Ich glaube du kannst dir vorstellen, dass schwere klassische Musik bei einem Begräbnis, das liebevoll dem "lustigen Onkel" gerecht werden soll, die falsche Wahl ist, wenn sie nach dem Motto „weil sich’s so g’hört“ ausgesucht wurde. So ist Ludwig Hirsch’s – Komm großer schwarzer Vogel sicherlich mit einem epochalen Ende und grande furioso gesegnet. Vielleicht aber nicht unbedingt das Schlußlied von CD, mit dem man die Begräbnisgänger nach Hause schicken möchte.



Wenn sich Abschiedslieder positiv auswirken:


· Wenn selbst gesungen wird Ich kann dir gar nicht sagen wie GRANDIOS es ist, wenn die TRAUERGÄSTE MITEINANDER SINGEN. Da entsteht ein WIR SIND HIER HEUTE ZUSAMMEN. Da bekommt jeder Gänsehaut.

· Wenn selbst musiziert wird Nichts ist so süß wie das Blockflötenspiel vom Enkerl. Da kann der Nachrufsprecher mit der schönsten Rede einpacken.

· Wenn sie einen Teil der Lebensgeschichte widerspiegeln Ich durfte das Grandiose Begräbnis eines Boogie-Formations-Tänzers begleiten. Die Damen (der im Schnitt über 50-jährigen) Trauergesellschaft (alles Ex-Formations-Freunde) waren in Petticoats erschienen. Vor dem Auszug wurde in der Aufbahrungshalle Boogie getanzt. Und hätte der Schwager nicht die Witwe aufgefordert, ich hätte es getan. Ein andermal stand Brahms, Bach und Mozart auf dem Programm beim Abschied von einem 43-Jährigen. Ich fragte, ob er Klassik Fan war. „I wo, Nein! Der war ein Metal Head! Aber das g’hört sich halt so.“ Kurzum haben wir auf ACDC‘s – Highway to Hell umgesattelt. Und auch seine 72-jährige Großmutter meinte: “er hätte sich im Sarg umgedreht, wenn wir ihm Klassisches vorgespielt hätten“

· Wenn sie zum Nachdenken anregen

Ich will das ihr feiert,

Ich will das ihr tanzt, Mit nem Lächeln im Blick Und nem Drink in der Hand. 'N Heissluftballon, Auf dem riesengroß steht: Das Leben ist schön, auch wenn es vergeht Und wenn ihr schon weint, dann bitte vor Glück! Dann bin ich da Oben Und sing mit euch mit... Sarah Connor – Das Leben ist schön

 

Tipp:

Ein Begräbnis braucht einen Spannungsbogen.


Dieser trägt das „Erlebnis“ und führt (im besten Falle) die Emotionen zu einem (mit dem Tod) versöhnlichen Abschluß. Je „runder“ man diesen gestaltet umso mehr emotionalen Flow bekommt die Zeremonie. Die Geschichten fließen ineinander und man hat Zeit zu reflektieren und Gesagtes wirken zu lassen. Mitunter überrascht einen der Frohsinn der Musik und bringt einen auf einen positiven Weg in der tristen Stimmung. "Zerhacke" also den Ablauf nicht durch „unnötige Pausen“.


Ich verwende diesen Spannungsbogen auch selbst recht gern, wenn mir die Reihenfolge der Lieder mit Vertrauen von der Familie überlassen wird:


Ich empfehle dir:


· Ein Musikstück zu Beginn ist ein guter „Tusch“ Begräbnisse, die mit Stille beginnen, fehlt oft ein Auftakt. Die Gäste kommen dann „schwer hinein“ in die Situation „das Begräbnis hat begonnen“. Mitunter steht nämlich ein Teil der Gäste auch noch vor der Halle und tratscht/raucht mitsammen. Ein „Tusch“ und allen ist klar: „Los geht’s – Wir müssen rein in die Halle“


· Fange mit dem traurigsten Lied an Schlimmer als ganz zu Beginn der Trauerfeier kann’s emotional nicht werden. Alle kommen traurig und allen geht’s mies. (Da kann man den schwarzen Vogel gut hin tun)


· Verwende Musik die „beiträgt“ in der Mitte Ab 3 Musikstücken tu das in die Mitte, welches die Lebensgeschichte am Besten widerspiegelt. Sei dabei ruhig konkret auch wenn Frank Sinatra – My Way immer passen würde. Wenn deine Gäste nicht gut in Englisch sind tut es auch Herbert Grönemeyer – Der Weg oder Pur- Sie sieht die Sonne (ich hätte das so gern für meine Oma gehabt).


· Spiele Musik nicht bloß um sie zu spielen Es wird laaaaaangweilig für deine Gäste, wenn sie 4x, 5x, 6x…etwa 3:20min rumsitzen bis die Beschallung fertig ist.


· Musik "spielt man" - warum also nicht live?

Vorgetragene Livemusik gibt einem Begräbnis eine ganz besondere Note. Ein von einem Sänger

geschmettertes Nessun Dorma von Puccini in einer Aufbahrungshalle ist einfach nur erhebend. Da kommt sogar der gute Pavarotti aus manch kleiner und alten Lautsprecheranlage des Friedhofes nicht hinterher. Und was, wenn das Lied extra für den Verstorbenen geschrieben wurde? Lies hierzu meinen Blogartikel "Livemusik statt CD zum Begräbnis".


· Trenne mit Musik Redner von einander Wenn 3, 4 oder 5 Redner ihre Lobesworte an den/die Verstorbene richten wollen (Kameradschaftsverbund, Feuerwehr, Rettung, Polzei, Fischerverein, Kleingartenverein, Pfadfinder…) tut ein bisschen musikalische Auflockerung zwischendurch gut. Vor allem der vielleicht steif neben dem Sarg stehenden Totenwache, der langsam die Füße einschlafen und die froh sind, statt in Ohnmacht zu fallen, langsam mal im Takt der Musik hin und her schunkeln zu dürfen.


· Bringe das emotional aufmunternde oder fröhliche Musikstück zuletzt

Geh von einem Begräbnis mit einer guten Stimmung nach Hause und wenn es nur dank des Ohrwurms ist, den dir das letzte Lied mit auf den Weg gibt.

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