Handy aus am Friedhof?

Es ist einer dieser Momente während eines Begräbnisses, von dem ein jeder schon gehört hat und eigentlich weiß, dass er ganz leicht zu vermeiden gewesen wäre.

Ein Moment den Viele als absolut unpassende und pietätlose Störung bezeichnen würden.


Und da sollte man doch glauben, wenn es "eh ein jeder weiß", dass die Leute sich danach richten würden, kurz gesagt, einfach den „liebsten Begleiter des modernen Menschen" abzuschalten und dem Akku mal ein bisschen Pause zu gönnen.

Aber dann passiert es doch mit einer unglaublichen Sicherheit, dass man spätestens auf jedem zweiten Begräbnis, das man besucht, mindestens ein Handy klingeln hört.

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Die Reaktionen über diesen Affront, der teils in ihrer Andacht gestörten oder indignierten Trauergäste, sind genau so vielfältig, wie die Klingeltöne der Mobiltelefone, die sich da lautstark aus Mantel- oder Handtaschen bemerkbar machen.


Und die Reaktionen der "betroffenen Ruhestörer" sind mancher Tags schon fast kabarett-reif.

Da sieht man schon mal die unsportlichsten Familienmitglieder fluchtartig aufspringen und mit tief zwischen den Schultern geklemmtem Kopf die Halle im Laufschritt verlassen.


Ganz besonders fies sind die brummenden Geräusche der vibra-call Motoren, die unsere Smartphones auch ohne aktivem Klingelton uns sagen lassen: "du, da ruft wer an".

Nun ist so ein vibrierendes Handy ja nur am Körper getragen "spührbar" - in der Handtasche auf der Holzbank in der stillen Aufbahrungshalle aber genauso laut (da Holz-"verstärkt") wie ein Ringelingeling Telefon.


"Eigentlich sollte man schon so weit sein, zu wissen, was sich g'hört."

höre ich dann immer wieder empörte Trauergäste vor der Halle im Anschluss an die Trauerfeier über den Störenfried miteinander tuscheln. Und man kann es ihnen ja wirklich nicht verdenken. Moderne Zeit hin oder her. Es gehört zum guten Ton, Anstand und Benimm. Oder vielleicht auch einfach nur zur Rücksicht den anderen Gästen und ihrer Gefühlswelt gegenüber.


Überleg mal:


Gerade dank unserer ach so modernen Welt und ihren „Zwischenrufen“ und Störungen, kommen viele erst am Tag des Begräbnisses erst wirklich dazu sich ein paar Minuten auf ihre eigene Gefühlswelt zu besinnen. Lies in meinem Blog nach welch Streß manchen Hinterbliebenen in den Tagen vor einem Begräbnis wiederfahren ist. Und du wirst verstehen, wie wohltuend einfach mal die Stille einer Aufbahrungshalle für diese zu sein vermag. Und genau in diesen ersten Moment mit der eigenen Trauer klingelt dann gerade dein Handy hinein, nur weil du „vergessen“ hast es abzuschalten, oder dich nicht darum gekümmert hast zu lernen, wie man das verflixte Ding in den „Flugzeugmodus“ stellt. (Ja das ist der Hauptgrund bei den >70 jährigen, die sich stehts brav geweigert haben ihr "modernes Klumpert" besser kennenzulernen. Das klingelt dann nämlich in der Oma-Handtasche.)


Ich bin doch immer wieder erstaunt wem dieser Patzer passiert. Und da ich vorne stehe mit Blickrichtung "Publikum", sehe ich am Gesichtsausdruck Des- oder Derjenigen, wer da gerade seinen Klingelton durch die Halle läutend wiedererkennt.

Es sind nämlich durchwegs Herrschaften über 40 die offensichtlich vergessen oder nicht daran gedacht haben ihr technisches Wunderwerkel mit Telefonfunktion abzuschalten.


Aber ganz ehrlich, manchesmal ist es auch genau das, was eine Trauerfeier braucht. Es ist so menschlich. So banal und so potschert, dass das Klingeln eines vergessenen telefonischen Begleiters mitten in die pietätvoll allen auferlegte Stille, wieder ein bisschen Normalität bringt. Denn das was wir bei Aufbahrungen und Trauerfeiern tun ist per Definition für uns Alltagsmenschen nicht normal.

Da trifft es sich also ganz gut, wenn ich zum Schluß gesagt habe:

“..lassen wir uns nun beim Abschied von ein bißchen Musik begleiten…“

Gedacht war Glenn Miller, weil der Papa immer mit der Mama dazu getanzt hat. Aber aus der Manteltasche des trauernden Sohnes ertönte plötzlich der Vogerltanz. Und dann frage ich natürlich laut in den Saal: „Ob der Papa wohl auch dazu mit der Mama getanzt hätte?“

Die erste Reihe schmunzelt und es ist wieder alles gut.


Genauso passiert bei einem Begräbnis in Baumgarten. Oma stammte vom Land. Aber ihre

Familie hat etwas klassisches ausgesucht. Es war nicht viel Zeit und man hätte doch gern noch "etwas mit Zither" gehabt. Aber niemand in der Familie besaß eine passende CD und an mp3 hatte niemand gedacht. So kam es zum Schlußlied, welches ich wie immer (per Handzeichen an den Arrangeur) zum Start bringen wollte. Als der Tante aus Oberösterreich das Mobiltelefon in der Handtasche losging. "A zünftiger Landler" erklang schallverstärkt durch den Steinboden im Raum. Panisch versuchte sie noch den Störenfried in der Tasche zum Schweigen zu bringen. "Nein, lassen Sie's bitte. Genau danach haben wir grad vorhin gesucht. Und es ist mit Zither - Perfekt!", mehr brauchte ich zu diesem Vorfall nicht zu sagen.

Tipp:


Sollte es einmal dein Handy sein, das da mitten in die Stille deinen Lieblingsklingelton allen offenbart - Greif zügig und zielsicher in deine Tasche und schalte es aus. Ganz aus. Sonst ruft dich derjenige vielleicht nochmal an, weil er glaubt du hörst schlecht. Und dann gehört die Aufmerksamkeit aller ganz bestimmt ganz dir. Auch meine. Und ich baue jedes Handyklingeln in meine Grabreden ein - sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.


Es macht Sinn, wenn ein Handy eingeschalten bleibt

Und zwar das des Arrangeurs der Bestattung.

Denn leider kommt es doch immer wieder vor, dass die Aufregung, die sommerliche Hitze oder zu langes Stehen (lies hierzu meinen Blog) zu Kreislaufkollapsen führen. Und dann ist es wirklich angebracht, die Trauerfeier zu unterbrechen, zu versorgen und notfalls sofort die Rettung rufen zu können.


Und auch für der spezielle Musikwunsch der Familie gespielt per Bluetooth-Lautsprecher und vom Handy gestreamt, macht ein eingeschaltenes Mobiltelefon zum Helden der Stunde. Aber wenn, dann im Flugzeugmodus - da funktioniert Bluetooth auch noch. Nicht gewußt?


Solltest du dich beharrlich weigern die Bedienungsanleitung zu lesen, dann frag deine Kinder oder Enkelkinder bei der nächsten Familienfeier. Da bist du dann "cool", weil du dich auch mal für dein Handy interessierst.


Na dann – Mache dich zu einem emanzipierten Kunden an deinem Handy und damit auch im Thema Bestattung. Bis zum nächsten Klingeln!