Die dummen Sprüche beim Begräbnis

Aktualisiert: Feb 12

Bei manchem was Menschen einander auf Friedhöfen sagen oder schreiben, sieht man recht deutlich, dass sie nicht besonders nachdenkend mit der Situation umzugehen versuchen.


dumm /dúmm/

1a. von schwacher, nicht zureichender Intelligenz 1b. in seinem Verhalten, Tun wenig Überlegung zeigend; unklug


Damit hätten wir ganz gut definiert WIE diese Sprüche sind, um die es heute in Begraben und Bestatten geht.

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Man könnte fast eine Hitliste dieser Sprüchlein machen, die bei Begräbnissen zum Leidwesen der Hinterbliebenen „abgelassen“ oder geschrieben werden. Es sind die Worte vor denen einige von ihnen richtige Angst haben. Sätze von denen sie wissen: “das wird mir dann als Hinterbliebenem von allen anderen gesagt werden. Meinen tut die Hälfte eh nicht was sie sagt. Aber sie wollen ja nicht zum Gerede werden“.

Oft sind es (wie z.B. das „Vater Unser“ unserer Begräbnisse) gedankenlos heruntergebrabbelte Worthüllen, die im Gruppenzwang „weil‘s alle tun und sagen“ auch gesagt werden müssen. Man will ja nicht negativ auffallen. Und wenn man schon gar nicht weiß, was man auf die Schleife seines Kranzes schreiben lassen soll, nimmt man halt, was einem die Blumenhändlerin als „üblich“ empfiehlt.

Manche Hinterbliebene sind also in einer Zwickmühle. Hören wollen sie diese bedeutungslosen, nicht-von-Herzen-kommenden Phrasen nicht. Aber sagen trauen sie sich das auch nicht. Man würde ja nicht-richtig-trauern, wenn man sich dies nicht sagen ließe. Und doch glatt die Gäste des Begräbnisses beleidigen, wenn sie nicht verstünden, warum man es denn gar nicht will.


Und hier liegt das Dilemma ganz klar – der eine versteht den anderen nicht.

Wie üblich reden wir nicht darüber, wie uns die Worte, die wir verwenden, fühlen lassen.


Wenn ein Angehöriger seine Begräbnisgäste wissen lassen würde: „bitte sagt nicht xy beim Kommen/Abschied/Kondolieren zu mir – es tut mir unnötig weh“. Würde jeder mit Herz denkende Mensch ihm oder ihr diese Worte ersparen.

Stattdessen aber stehen die Begräbnisgäste bei den Angehörigen Schlange, um ihnen einer nach dem anderen denselben Satz in kleiner Abänderung abzuliefern.


Und den Begräbnisteilnehmern geht es mitunter gar nicht anders. Wer aus Angst schief angesehen zu werden àla: “hast g’hört was der der Witwe gesagt hat? Der hat gar ned Beileid g‘wunschen!“ nie überlegt hat, ob er nicht etwas Besseres sagen könnte…


Und hier sind sie nun – die dummen Sprüche bei Begräbnissen um die es heute geht:

  • Mein Beileid

  • Wir sind hier heute zusammengekommen um Abschied zu nehmen

  • Wenn‘st was brauchst, ruf mich an

  • Geht’s dir eh gut?

  • So ist halt das Leben

  • Sei stark

  • Letzte Grüße


Ich werde diese Sprüche in kommenden Blogs näher beleuchten, um dir ihre Wirkung auf manche Angehörige und den von ihnen angerichteten Schaden näherzubringen.


Tipp:


Wenn du dich jetzt also frägst:

„Ja aber was sag ich denn dann?“

bist du schon auf einem guten Weg. NEIN! Nicht nach Tipps und Anregungen googeln.

- Beileidsbekundungen

- Kondolenzschreiben richtig verfassen

- So kondolieren Sie richtig

- Was ist beim Kondolieren zu beachten

- Was soll ich sagen

- 10 mitfühlende Beileidsbekundungen .... Es gibt ungefähr 685 000 Ergebnisse (0,81 Sekunden)

Was davon ist von dir von Herzen gekommen? Was drückt aus wie du an ihn/sie denkst? Was ist deine Erinnerung an Ihn/Sie, die du mit den Angehörigen teilen kannst?

Nein, du mußt das alles nicht beim Begräbnis vor Ort erledigen. Du hättest gar nicht die Zeit, wenn hinter dir die Menschenschlange an Kondolierenden wartet. Aber, Du könntest Tage später wirklich anrufen und plaudern. Vielleicht fühlt sich die Witwe allein und würde sich über deine Anekdoten freuen. Frag Sie ob es ihr gut tut oder womit du gut tun könntest. Ihr den Einkauf bringen, den Hund gassi führen,.. Wünsche und tue Gutes Steh zum Leid derer, die genauso wie du um ihn oder sie trauern.

So wirst du seinem/ihren Andenken gerecht.


Egal ob du Gast oder Hinterbliebener bist. Sprich mit den anderen Begräbnisteilnehmern schon vor "dem letzten Weg". Wenn du dir nicht sicher bist, frage bereits Tage vorher nach, was für die Familie OK ist. Bist du "Gastgeber" informiere deine Gäste bereits in der Parte über das, was für dich in Frage kommt. Kläre Dresscode, Abstand-Verhalten während Corona und Kondolenz-Verhalten (nur Anfang, nur Ende, gar nicht) ab.


Nur dem, der darüber redet, kann geholfen werden.

Also, mache dich zu einem emanziperten Kunden im Thema Begraben und Bestatten.


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